Foto: Martina Greier


„Mein Wunsch ist es, gesund zu bleiben und noch viele Jahre laufen zu können. Aber nicht mehr als Wettkampfbestreiter, sondern nur noch als reiner Genussläufer“, sagt Horst Weese, Ausdauersportler vom TSV Münnerstadt. „Mitte Oktober werde ich meinen letzten Marathon in München bestreiten, danach ist Schluss mit dem Kampf um bessere Zeiten und gute Platzierungen. Ich brauche diesen Stress und Druck nicht mehr.“
 

Der topfite 70-Jährige will es ruhiger angehen lassen. Kunststück, er hat ja in seiner langen Sportlerlaufbahn jede Menge herausragende Leistungen erzielt, dabei drei Mal 100-Kilometer-Läufe und unglaubliche 132 Marathons (Bestzeit 2:54 Stunden) absolviert. Als „echter Europäer“ war er in fast allen größeren Städten Deutschlands, in Schweden, Italien, der Türkei, aber auch beim weltberühmten New-York-Marathon am Start. „Als besonders beeindruckend empfand ich die Extrem-Läufe bei den Swiss-Alpin-Veranstaltungen, wo man bis auf 3000 Meter hoch musste“, erzählt der frühere Kripo-Beamte. „Auch wenn diese Wettbewerbe wahnsinnig schwierig und kraftraubend sind, entschädigen sie die Teilnehmer durch die landschaftlich atemberaubende Schönheit.“
Ehefrau Annemarie war fast immer mit dabei, schaute sich neben den Rennen auch die Sehenswürdigkeiten des jeweiligen Aufenthaltsortes an. „Früher haben wir die Läufe immer mit dem Familienurlaub verbunden, damit auch die Tochter nicht zu lange auf den Papa verzichten musste“, schmunzelt sie.
Schon in seiner Kindheit und Jugend war Horst Weese sportlich und ehrgeizig, Radfahren, Tauchen, Bergsteigen und Skifahren zählten zu seinen liebsten Aktivitäten. Zum Laufen kam er erst später, ein Sportarzt hatte ihm aufgrund von Rückenproblemen Schwimmen oder Joggen empfohlen. Es blieb beim Joggen, zunächst begann die neue Karriere wohl dosiert und die Bandscheiben erholten sich, Spritzen und Tabletten waren nicht mehr nötig. „Glücklicherweise bin ich in all den Jahren von typischen Läuferverletzungen verschont geblieben“ freut sich der gebürtige Berliner, „zwar haben mir während meines langen beruflichen Aufenthalts im Bayerischen Wald die Zecken immer wieder einmal ein paar Borreliose-Schübe eingebracht, aber das habe ich im Griff.“ Stolz ist der laufverrückte Pensionist auf die Gründung eines Laufvereins in Ostbayern und die Organisation eines großen Wettbewerbes. „Es war schon eine tolle Sache, die jungen Sportler zu trainieren und zum Sport hinzuführen“, erinnert er sich lächelnd, „auch wenn sie mich später beim Halbmarathon besiegt haben.“
Weese läuft seit einigen Jahren nicht mehr mit den so genannten gedämpften Laufschuhen, sondern in Socken, unter die nur eine dünne Sohle genäht ist. „Ein Gefühl wie barfuß laufen“, schwärmt er. Ansonsten achtet er auf gesunde Ernährung und hat die früher heiß geliebten Würste und Schweinebraten auf dem Speiseplan etwas reduziert. „Man wird halt nicht jünger“, meint er trocken. „Alles in Maßen, ab und an auch mal ein Glas Bier oder Wein, es gehört einfach zur Geselligkeit.“ In Münnerstadt fühlen sich die Weeses sehr wohl, vor einigen Jahren sind sie in Annemaries frühere Heimat gezogen. „Im Bayerwald waren die Winter immer so lang“, schmunzelt der Langstreckler schelmisch.
Beim TSV Münnerstadt fand er Gleichgesinnte, mit ihnen dreht er zwei Mal pro Woche seine Trainingsrunden, unterschiedlich lang und unterschiedlich schnell. Ansonsten läuft er zwischen 60 bis 80 Kilometer in der Woche – ein beachtliches Pensum. Insgesamt dürfte er fast 90 000 Kilometer schnellen Schrittes zurückgelegt haben. Diese Unermüdlichkeit brachte ihm in der langen Zeit unzählige Podestplätze bei allen möglichen Wettkämpfen ein. Mittlerweile gäbe es Schnellere oder nur noch wenige Teilnehmer in diesen Altersklassen. Aber darauf will Horst Weese sein Augenmerk künftig nicht mehr legen. „Jede Etappe genießen, dabei neue Leute kennenlernen und die herrliche Natur während der verschiedenen Jahreszeiten erleben. Das wird mein neues Ziel sein.“
Bericht: Mainpost Matina Greier